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Das Buch Hiob und 42 Gemälde

  • Das Buch Hiob und 42 Gemälde

Ich habe das Buch Hiob gelesen, und etwas von mir selbst fühlte sich mit dieser Gestalt verbunden; ich begann, es anders zu verstehen als andere Bücher.

Mir wurde bewusst, dass es die Jahre waren – meine eigenen Jahre –, die mich Hiob näherbrachten, und dass mir aus ihnen dieses Verständnis erwuchs.

Das Beispiel Hiobs wurde für mich zu einer Mahnung, dass alles einmal zu Ende geht. Und nun begann ich dies aus eigener Erfahrung zu begreifen: Es waren die Jahre, seine und meine.

Und mit dieser Betrachtung über unsere Existenz kam alles andere hinzu: der Sinn des Lebens, die verschiedenen Arten, es zu leben, Gut und Böse, die Freiheit, die Tatsache, dass wir einen Körper und auch einen Geist besitzen und dass durch den Geist etwas bleiben wird: das Ewige.

Hiob ringt mit sich selbst; er wird sogar Gott gegenüber anklagend, doch er verliert die Hoffnung nicht.

Dieser Hiob überzeugt uns, erfüllt von Poesie und von Bildern, die über ihren schonungslosen Realismus hinausweisen und sich durch ihre Schönheit verwandeln.

Und durch so viel Leiden und durch den Ausdruck seines Innersten wird sein Gesicht rot, und seine Augen werden von Finsternis bedeckt.

Alles wird zu sichtbarem Ausdruck und zum Schrei. Und wenn man einen Pinsel oder einen Spachtel und einen Topf Farbe zur Hand hat, versucht man vielleicht, dieses Empfinden rasch zu malen: dass die 42 Kapitel des Buches Hiob uns auf ebenso vielen Tafeln daran erinnern, mit Farben, die nicht nur durchdacht, sondern erlebt sind – als Entsprechung zu so vielen Worten.

Vielleicht wird angesichts des Todes der Ausdruck angstvoller, das Unbekannte offenbart sich, der Abschied ist nun der letzte und wird dadurch dringlicher. So wird auch der Pinselstrich sein: Die Kunst löst sich auf, wird expressionistisch, aufgerissen in einer letzten Geste und einem letzten Lebewohl.

Hiob spricht zu jedem Menschen, unabhängig davon, ob sein Denken religiös ist oder nicht; zu jedem, der um ein Ende weiß und vielleicht sogar Hoffnung haben kann.

Der Tod kommt gewöhnlich unerwartet. Manchmal aber kann das Gegenteil geschehen: Der Mensch sieht ihn voraus und geht ihm entgegen, der Begegnung mit dem Tod entgegen; wir gehen auf ihn zu, und all dies kann für diesen Menschen sogar etwas Freudiges annehmen.

Wenn wir bei diesem Denken und Fühlen verweilen, könnten uns Fragen erreichen und vielleicht sogar Antworten:

  1. Es ist ein Buch, das über Jahrhunderte hinweg entstand, bis ins 4. Jahrhundert vor Christus hinein, im jüdischen Umfeld.

  2. Zu seinen zahlreichen Übersetzungen konnten weitere Worte hinzugefügt werden, die der Auslegung dienten.

  3. Nach Christus folgten weitere Ausgaben, und bis heute erscheinen neue.

  4. Möglicherweise erscheinen seine letzten Kapitel in ihrem lebendigen und poetischen Ausdruck etwas abgeschwächt; etwas Ähnliches geschieht in den verschiedenen Künsten, wenn andere versuchen, ein Werk über seine Zeit hinaus fortzuführen.

  5. Dieser Hiob ist mehr als Leiden und Poesie; er ist blutendes Wort, das Leben des Menschen, der lebt und sterben muss.

Alles Geistige durchläuft einen ähnlichen Weg.

Die Poetik Hiobs öffnet sich dem Empfang. Sie ist jenes Unsichtbare, das sich in allem Schönen erahnen lässt. Hiob ist das große Licht, überzeugend für ein gutes Ende des Lebens, für die Verwandlung eines möglicherweise unglücklichen Lebens.

Für Hiob verdunkelt sich die Sonne, alles wird Nacht. Herr! Wirst du mich wieder zu Staub werden lassen?

Doch der Regenbogen erscheint, eine Hoffnung wird sichtbar. Jede Existenz weist über sich hinaus.

In der Natur ziehen alle Lebewesen vorüber; sie besitzen Proportionen, unendliche Geometrie, darin liegt Weisheit.

Der Mensch befragt die Natur, doch sie ist es, die schon seit jeher verkündet.

Man muss von Neuem beginnen, immer wieder von Neuem, und mit noch größerem Nachdruck auf der Zielgeraden.

Nichts nimmt man mit. Das Kind, das zum Greis geworden war, sah, dass in seinem Haus bereits andere wohnten, die nicht zur Familie gehörten.

Unrecht erworbene Reichtümer wird der Herr aus seinem Leib herausreißen.

Er zog einen Kreis über die Wasser; es war die Macht Gottes.

Wo warst du, als ich die Fundamente der Erde legte?

Damals kannte ich dich nur vom Hörensagen.

Alles in Hiob wird zu wahrem Leben und auch zum Tod, der ebenfalls wahr sein will: leben für einen Tod, der aus mehr Leben besteht.

Wie es in jeder Kunst, in jedem Stil und in jeder Epoche geschieht: Der Mensch besteht in seinem Sein nicht nur als Idee und kann nicht auf sie beschränkt werden. Ebenso die Kunst: niemals nur Idee, niemals abstrakt, ausschließlich abstrakt; denn eine rein abstrakte Kunst kann nicht existieren.

Es ist ein Hiob voller Leben. Er ist Gegenwart und Leben für alle.

Antonio Oteiza.

El Pardo, April 2014.

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