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Ttuttulari

Sammlung:Musik in Bronze (Antonio Oteiza)
Autor:Fr. Antonio Oteiza
Inventarnummer:MCO-AO-ES-00054
Typ:Skulptur
Eigenschaften: Ttuttulari ist eine freistehende Bronzeskulptur mit vertikaler Komposition. Die Figur steht aufrecht und ist um ein Blasinstrument gesammelt, das den oberen Körperbereich durchquert und sich über einen gebogenen, ansteigenden Schallkörper seitlich in den Raum projiziert. Die Anatomie entsteht aus großen Flächen, tiefen Hohlformen, gebrochenen Kanten und Volumen unregelmäßiger Stärke. Das Gesicht besitzt keine individualisierten Züge, während Arme, Oberkörper und Instrument zu einer einzigen Struktur verschmelzen. Die Patina verbindet dunkle Grüntöne, Brauntöne, bläuliche Nuancen und kupferfarbene Reflexe. Die dichtesten Farbtöne sammeln sich in den Vertiefungen und geschützten Bereichen, während Kopf, Instrument, Hände und Kanten den warmen Glanz des Metalls zurückgewinnen. Das Werk ruht auf einer kleinen Bronzebasis und einem rechteckigen Sockel aus poliertem schwarzem Marmor. Die geometrische Stabilität des Steins steht im Kontrast zur unregelmäßigen Silhouette und zur ausgeprägten räumlichen Projektion des Instruments.
Kunstwerk:
Ttuttulari

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Beschreibung:

Antonio Oteiza konzentriert das Werk auf eine wesentliche Handlung: Ein Körper nimmt Luft auf und verwandelt sie in Klang. Er stellt den Musiker weder in eine Feier noch ergänzt er die Szene um Elemente, die einen bestimmten Anlass erklären würden. Alles Nebensächliche wird entfernt, damit die körperliche Beziehung zwischen Musiker, Instrument und Atem in den Mittelpunkt tritt.

Die Figur ist um eine feste vertikale Achse aufgebaut. Die Beine stehen eng beieinander und sorgen für einen konzentrierten Halt, während sich der obere Bereich verbreitert und eine wesentlich größere Komplexität entwickelt. Über dieser stabilen Grundlage verlässt das Instrument die Körperachse und verändert das Gleichgewicht der Komposition entscheidend.

Sein weit ausgreifender Bogen zieht den Blick zuerst auf sich. Er entsteht am Oberkörper, bewegt sich seitlich nach außen und steigt an, bis er den Raum außerhalb der Figur besetzt. Das Instrument wirkt nicht wie ein hinzugefügter Gegenstand, sondern wie eine Verlängerung des Musikers und wie die sichtbare Form des sich ausbreitenden Klanges.

Oteiza beschreibt das Instrument nicht mit technischer Genauigkeit. Er formt es aus unregelmäßigen Flächen, Hohlräumen, Faltungen und Kanten, die mit dem Körper verschmelzen. Dadurch lässt sich kaum eindeutig bestimmen, wo der Musiker endet und wo das Instrument beginnt.

Auch die Arme sind Teil dieser Kontinuität. Die Hände werden nur angedeutet und gehen in den Volumen auf, die den Brustbereich umgeben. Statt eine konkrete Griff- oder Spieltechnik wiederzugeben, bringt der Bildhauer das Halten, die Anstrengung und die Konzentration zum Ausdruck, die notwendig sind, um den musikalischen Vorgang aufrechtzuerhalten.

Der Kopf ist auf eine kantige, beinahe anonyme Form reduziert. Das Gesicht zeigt weder einen klar lesbaren Ausdruck noch eine individuell erkennbare Person. Die Intensität liegt nicht in der Mimik, sondern in der Neigung des Körpers, in der Öffnung des oberen Bereichs und in der Richtung, die das Instrument einschlägt.

Die Hohlräume um die Brust und unter dem gebogenen Instrument besitzen eine grundlegende Bedeutung. Sie trennen die Volumen teilweise voneinander, sammeln Schatten und machen die Zirkulation der Luft vorstellbar. In einer aus fester Materie geschaffenen Skulptur wird der leere Raum zum plastischen Äquivalent des Atems.

Der Oberkörper fällt in großen vertikalen Flächen ab, die von Faltungen, Einschnitten und abrupten Änderungen der Materialstärke durchzogen sind. Anatomie und Kleidung gehen in einer kontinuierlichen Masse ineinander über. Oteiza will weder den Körper nachahmen noch die Gewandung genau beschreiben, sondern jene innere Spannung sichtbar machen, die den Klang trägt.

Der untere Teil bleibt stärker geschlossen. Die schmalen, parallelen Beine stehen auf einer kleinen, in den Bronzeguss integrierten Basis. Linien und Reliefs auf ihrer Oberfläche erzeugen einen visuellen Rhythmus und führen den Blick von den Füßen bis zur oberen Zone.

Der Gegensatz zwischen Konzentration und Ausdehnung bestimmt das gesamte Werk. Der Körper bleibt gesammelt und im Boden verankert, während sich das Instrument öffnet und in den Raum vorstößt. Die Musik scheint gerade aus dieser Spannung zwischen Zurückhaltung und Befreiung zu entstehen.

Je nach Blickwinkel verändert sich die Skulptur erheblich. Von vorn beherrscht das Instrument den oberen Bereich und bestimmt die Komposition. In den Seitenansichten werden seine räumliche Tiefe und seine Ablösung von der Körperachse deutlicher. Aus anderen Perspektiven verschmelzen Musiker und Instrument zu einer beinahe abstrakten Masse.

Die Oberfläche bewahrt die unmittelbare Energie des Modellierens. Einschnitte, Vertiefungen, Gussgrate und Materialanhäufungen brechen das Licht und verhindern jede Gleichförmigkeit. Die Bronze wirkt wie Materie unter Druck, die von einer inneren Kraft durchzogen wird und sich nach außen zu öffnen versucht.

Die Patina verstärkt diesen Eindruck. Grün- und Dunkeltöne vertiefen die Hohlräume, während kupferfarbene Reflexe die Kanten entlanglaufen und den Weg des Instruments nachzeichnen. Wenn sich der Betrachter um das Werk bewegt, rekonstruiert das Licht den musikalischen Gestus immer wieder neu.

Der Sockel aus schwarzem Marmor führt eine stabile, regelmäßige und stille Ebene ein. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Figur an Dynamik, und die Kurve des Instruments erscheint noch ausgreifender. Der Träger wirkt als Verankerungspunkt für eine Komposition, die sich über ihre tatsächlichen Maße hinaus fortzusetzen scheint.

Oteiza vermeidet es, den Musiker als pittoresken Typus darzustellen. Er verweilt weder bei Gesichtszügen noch bei Kleidung oder einer bestimmten Situation. Er reduziert das Bild auf seine wesentlichen Kräfte: den atmenden Körper, das Instrument als dessen Verlängerung und die Luft, die sich in Klang verwandelt.

In Ttuttulari erscheint Musik nicht als Melodie, sondern als Impuls. Antonio Oteiza lässt die Bronze die Spannung des Atems bewahren und eine unbewegliche Materie so wirken, als dehne sie sich in genau dem Augenblick aus, in dem sie zu klingen beginnt.

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